Ein Traum von Chopping Tool!

Werner Bender legt ein selten schönes Artefakt aus Basalt vor

Sowohl Pierre Honoré als auch Fritz Wiegers verwenden für den Flint einen besondere Bezeichnung: „Der große Betrüger“, weil besonders dieses Gestein auf natürliche Einflüsse ganz ähnlich reagiert wie auf menschliche Bearbeitung. Hierdurch entstehen Geofakte, die altsteinzeitlichen Werkzeugen zum Verwechseln ähnlich sehen und deshalb oft zu Fehlinterpretationen führen.

Aber es gibt noch andere Betrüger unter den Gesteinen!

Wer an Bahngeleisen, am Rand von geschotterten Feldwegen oder einfach beim Straßenbau einen Blick auf den Basalt-Schotter wirft, wird schnell fündig: Abschläge, Faustkeile, Schaber und Kratzer mit feiner Retusche , alles herrliche Stücke – wenn nicht klar wäre, dass ihre Herkunft zwar menschengemacht ist, aber leider nicht altsteinzeitlich!

Der Basalt ist, wie der Flint, ebenfalls ein „großer Betrüger“! Über Wegebefestigungen irgendwann auf die Äcker gelangt, führt uns der „große Betrüger“ zuweilen an der Nase herum, gaukelt einen Faustkeil vor und ist bei näherer Betrachtung doch nur das Produkt moderner Industrieanlagen zur Schotterherstellung oder er wurde vor langer Zeit von Pferdehufen und Wagenrädern in seine Form gebracht. Vielleicht ist er auch nur das Abfallprodukt eines mittelalterlichen Steinmetzbetriebes.

Das heißt: Bei der Beurteilung von Basaltartefakten sind besonders strenge Kriterien anzulegen und in den meisten Fällen wird am Ende eine Unsicherheit bleiben.

Handelt es sich hierbei um altpaläolithische Artefakte?
Wären sie aus Quarzit, stünde das außer Frage!

Die Varietäten unter den Basalten sind vielgestaltig, die Körnung und damit seine Eignung zur Werkzeugherstellung ist von der Geschwindigkeit abhängig, in der die Lavamassen einst erkalteten und das wiederum bedingt auch die Resistenz des Gesteins gegenüber natürlichen Einflüssen wie Bodenchemie, Wind und Wetter und geologischen Bewegungen.

Der Erhaltungszustand von echten altsteinzeitlichen Basaltartefakten ist deshalb sehr unterschiedlich. Die meisten Stücke werden die Jahrhunderttausende gar nicht überstanden haben oder sind mittlerweile bis zur Unkenntlichkeit verwittert.

Insofern ist auch ihre zeitliche Einordnung bzw. die Bestimmung innerhalb der Systematik von Formengruppen und Inventartypen nicht gerade leicht. Nicht selten sind augenscheinlich altsteinzeitliche Artefakte in einem besseren Erhaltungszustand als neolithische Funde.

Ein Chopping Tool wie aus dem Bilderbuch!

Trotz dieser vielen Unsicherheiten gibt es aber auch Basaltwerkzeuge, die sich eindeutig in die Altsteinzeit datieren lassen.
Aus der Wetterau beispielsweise sind Artefakte aus Basalt bekannt, deren Echtheit und Ansprache aufgrund eindeutiger Bearbeitungsspuren und des hervorragenden Erhaltungszustandes weitgehend gesichert ist.

Werner Bender aus Grüningen, langjähriges Mitglied der AG Altsteinzeit und Mittelsteinzeit Hessen, legt hierzu ein Chopping Tool aus Basalt vor, das bereits von Prof. Dr. Fiedler wissenschaftlich bewertet und von Beate Kaletsch vom Landesamt in Marburg gezeichnet wurde.

Zeichnung: Beate Kaletsch

Es stammt aus der nördlichen Wetterau von einem Fundplatz, an dem nicht zum ersten Mal steinzeitliche Basaltartefakte gefunden worden sind.

Es ist beidseitig flächig bearbeitet. Die gleichmäßigen, sicher gesetzten Abschläge lassen auf das Werk eines Könners schließen. Die hohe Funktionalität des Werkzeugs sticht besonders hervor. Insbesondere die ergonomische Gestaltung mit Blick auf seine Handhabung (Akkommodation) ist außergewöhnlich gut gelungen und trägt zu einer vom Betrachter als ästhetisch empfundenen Gesamterscheinung bei.

Man kann zu einem solchen Fund, der überdies ein schöner Beleg für Verwendung des Rohmaterials Basalt im hessischen Paläolithikum darstellt, nur herzlich gratulieren.

Chopping Tool “im Einsatz”

Werner Bender legt auch noch ein Foto bei, das den Verwendungszweck des Werkzeugs als Hackgerät bei der Holzbearbeitung zur Darstellung bringen möchte.
Allen, denen angesichts dieses Fotos der Atem stockt, sei zu deren Beruhigung gesagt: Die Kerben wurden nicht mit diesem wertvollen Artefakt ins Holz geschlagen – ein gestelltes Foto also!

 

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