Paläolithische und mesolithische Funde im Gladenbacher Bergland

Autor: Horst Klingelhöfer

Während aus dem Marburger Umland östlich der Lahn eine Reihe von mittelpaläolithischen bis mesolithischen Fundstellen bekannt sind, zeigen die Fundkarten des sich westlich anschließenden Gladenbacher Berglandes eine weitgehende Fundleere für diesen gewaltigen Zeitraum (1).

Erst ab den letzten Jahrhunderten v. Chr. tritt die Region auf Grund der vorliegenden Eisenerzvorkommen (früher Bergbau, Rennfeueröfen…) mehr in den Focus der archäologischen Forschung.

Keilmesser (rechtshändig) aus Kieselschiefer, vollständig patiniert

Keilmesser, Schneidenansicht

Die hohe Anzahl ältersteinzeitlicher Fundstellen östlich der Lahn bis ins Werra-und Fulda-Gebiet ist neben dem Engagement von interessierten Einzelpersonen und Gruppen u.a. sicher durch die häufig gute Qualität der dort zur Verfügung stehenden lokalen Rohmaterialien (insb. Quarzite und Kieselschiefer) begründet: bevorzugte Verwendung, bessere Formgestaltung, bessere Erkennbarkeit.

Demgegenüber ist die oft rel. „Dürftigkeit“ möglichen örtlichen Rohmaterials vermutlich eine der Ursachen für die Seltenheit von Artefaktauffindungen im westlichen Bergland des Lahn-Dill-Gebietes.

Zur Überprüfung dieser Annahme wurde exemplarisch eine vom Bearbeiter als geeignet erkannte Hochfläche ca. 80 m über dem Salzböde-Niveau im Bereich von Bad Endbach seit mehreren Jahrzehnten in wiederholten Abständen auf Artefaktvorkommen abgesucht. Sämtliche als zur Artefaktherstellung geeignete Materialien (eigene Schlagexperimente) sind in die Absuche einbezogen worden. Bisher konnten auf diese Weise 44 Artefakte erkannt werden.

Folgende Rohmaterialien wurden verwendet: Metadolerit („Diabas“) 50%, Kieselschiefer 34%, Roteisenstein 7%, Tonschiefer und quarzitischer Sandstein jeweils 4,5%.

Metadolerit (lokal) ist deutlich grobkörniger als Basalt, die Trümmerstreuung ist oberflächig verwittert. Harte Schlagtechnik, grobe Artefaktgestaltung mit „archaischem“ Habitus. Erkannt wurden u.a. 6 faustkeilartige Artefakte, 3 Pics, 11 Abschläge.

Abschlag aus ursprünglich dunkelgrauem Kieselschiefer (jungpaläolithisch ?)

Kieselschiefer (lokal, daneben vermutl. Import) mit verschiedenen Varianten, lokales Vorkommen häufig zerklüftet und mit Quarzadern durchzogen, dadurch schlechte Bearbeitbarkeit. Daneben ortsfremde homogenere Stücke. Erkannt wurden 2 atypische Kleinkeile, 2 Keilmesser (s. Abb.), sowie vermutlich jungpaläolithisch bis mesolithisch einzuordnende Schaber, Bohrer, Abschläge und Kerne (1 Lamellenkern).

Roteisenstein (lokal) ist in ähnlicher Weise wie der örtliche Kieselschiefer bearbeitbar. Es liegen 1 Breitschaber und 1 Bohrer (mittelpaläolithisch ?) vor.

Tonschiefer (lokal) ist verwitterungsanfällig und liegt als plattige Trümmerstreuung vor. Trotz anisotroper Schieferstruktur sind uni- und bifazielle Artefakte herstellbar, allerdings mit geringerer Beanspruchbarkeit der Arbeitskanten. Aufgenommen wurden ein grober ovaler Faustkeil und eine große quinsonartige Spitze.

Sandstein/Quarzitischer Sandstein/ (lokal) ist mit einem Abschlag und einem mäßig verrundeten Steilschaber vertreten.

 

Die Artefaktzusammensetzung in Verbindung mit der rel. geringen Artefaktanzahl auf einem hervorgehobenen Plateau über dem Salzbödetal spricht für gelegentliche Aufenthalte von Neandertalern des Mittelpaläolithikums (Keilmesser, Faustkeile, Spitzen und Pics, Schaber, Abschläge). Das Jungpaläolithikum ist nicht mit kennzeichnenden Geräteformen, allerdings möglicherweise mit einem patinierten Kieselschiefer-Abschlag (Korrekturabschlag eines Klingenkerns, s.Abb.) vertreten. Jäger und Sammler des Spätpaläolithikums bis Mesolithikums haben ihre Spuren mit kleineren geringfügig patinierten bis unpatinierten Kieselschiefer-Abschlägen und einem kleinen Lamellenkern hinterlassen. Dabei nutzten die Menschen bevorzugt das vorhandene lokale Rohmaterial zur Artefaktherstellung.

 

Literatur:

(1)Lutz Fiedler: Alt-und mittelsteinzeitliche Funde in Hessen (Führer zur hessischen Vor- und Frühgeschichte 2 (1994))

(2)Hessisches Landesamt für Bodenforschung Wiesbaden: Geologische Karte von Hessen GK25 Oberscheld (1997)

 

Download PDF