Ein Atlas der Vorgeschichte

Ein-Blick in ein gelungenes Buch

Von unserem AG-Mitglied Norbert Kissel

 

Vorbemerkung

Der Schwerpunkt dieser Buchbesprechung liegt in der Bewertung des Kapitels zur Alt- und Mittelsteinzeit (wir befinden uns schließlich auch auf einer paläolithischen Seite).

Die hierzu getroffenen Aussagen zu Form, Inhalt und Qualität treffen weitestgehend aber auch auf alle anderen Kapitel zu

 

Eine Portion Selbstbewusstsein gleich zu Beginn

Der Atlas der Vorgeschichte (Herausgeber: Siegmar von Schnurbein, Theiss-Verlag 2014) schließt in seinem Vorwort zur dritte Auflage mit der (nicht gerade unbescheidenen) Aussage, dass dieses Werk „zu einem der anschaulichsten Handbücher der Vorgeschichte in Europa“ gehöre.

Unabhängig von solchen Selbstbezeugungen soll bereits an dieser Stelle hervorgehoben werden, dass der „Atlas der Vorgeschichte“ ein sehr gelungenes und empfehlenswertes Buch ist, dem ein großer Leser- und Käuferkreis zu wünschen ist. Wie es im europäischen Vergleich dasteht, kann hier nicht dargestellt werden. Im deutschsprachigen Raum gehört es jedenfalls nach Auffassung des Rezensenten zu einem der besten Neuerscheinungen der letzten Jahre. Dass es sich hierbei bereits um die dritte Auflage handelt, kann auch als Bemühen der Herausgeber gewertet werden, ein Handbuch zu liefern, das den aktuellsten Forschungsstand repräsentiert.


Ein Titel als Programm

In einem Atlas erwartet man eine Sammlung von Karten. Dieser Erwartung wird das reich bebilderte Buch auf rund 250 Seiten gerecht. Einer alten Tradition folgend, nach der Archäologie schon immer in einer enge Verbindung mit der Geographie stand, wird die Ausbreitung menschlicher Kulturen auf dem europäischen Kontinent übersichtlich und sicher in Teilen erstmals in dieser umfassenden Weise dargestellt.
Die damit verbundene Notwendigkeit zur Vereinfachung benennt der Herausgeber in einer kurzen, aber informativen Einführung selbst, dazu auch die Zielgruppe des Buchs: Ein Buch für den interessierten Laien.

Was besonders hervorzuheben ist: Kartenmaterial und Texte stehen in enger Verbindung zueinander. Nicht einer Abbildung des Buchs könnte etwas rein Ornamentales unterstellt werden. Alles ist funktional und planvoll aufeinander bezogen und abgestimmt, „Textwüsten“ werden vermieden, mit ausgesuchten Fotos und Zeichnungen, dazu eingebettet in genügend Freiflächen, erfüllt das Buch alle Kriterien eines modernen und sehr ansprechenden Layouts.

In der populärwissenschaftlichen Literatur gibt es in Bezug auf Anspruch und Umfang bekanntermaßen deutliche Abstufungen. Der „Atlas der Vorgeschichte“ gehört durchaus zur gehobenen Klasse seines Genres.
Zwar laden die sehr aufgelockert und ansprechend gestalteten Seit jeden zum Schmökern ein, aber es wird vorausgesetzt, dass sich die Leserschaft unter einem „Inventar“, das durch „beidflächig retuschierte Blattspitzen“ geprägt ist (Seite 32), etwas vorzustellen vermag, dass also Vorwissen vorhanden ist.
Dieser Hinweis soll aber keinesfalls auf eine eingeschränkte Verwendbarkeit des Buchs hindeuten: Für Schule und Studienbeginn kann dieser Atlas vielmehr ohne Einschränkung als eine wahre Fundgrube für Informationen von hohem fachwissenschaftlichem wie auch fachdidaktischem Wert bezeichnet werden.

 
Alt- und Mittelsteinzeit wissenschaftlich seriös dargestellt

Bevor der Leser durch die Epochen der Jungsteinzeit und der Metallzeiten geführt wird, fasst der Prähistoriker Thomas Terberger, ein Fachmann u.a. für das Jungpaläolithikum in Mitteleuropa, die Entwicklung der Menschheitsgeschichte von den Anfängen bis zum Ende der letzten Eiszeitjäger zusammen.

Der Autor legt dabei großen Wert auf die objektive und verständliche Darstellung des gegenwärtigen Forschungsstands, benennt die daraus resultierenden und oftmals sehr verschiedene Lehrmeinungen, ohne sie zu werten, lässt den Leser aber wissen, welcher Interpretation er sich letztendlich anschließt und warum. Insbesondere wird die Diskussion um die Beziehung von Neandertaler und dem sogenannten modernen Menschen in angemessener Distanz und Objektivität dargestellt, wobei der Autor stets darauf hinweist, dass es sich hierbei um die Interpretation von Funden handelt und um keine unerschütterlichen Wahrheiten.

Diese Darstellungsweise des Autors muss dem interessierten Laien allein schon deshalb gefallen, weil er sich hierdurch nicht der Gefahr ausgesetzt sieht, Opfer irgendeiner wissenschaftlichen Indoktrination zu werden. Mit dem Begriff „Seriöse wissenschaftliche Berichterstattung“ ließe sich die Abhandlung Thomas Terbergers am besten beschreiben.

Die Reise des Atlas der Vorgeschichte beginnt (wie im Titel ausgeführt) mit den ersten Menschen und endet im Europa um Christ Geburt. Sie führt den Leser durch die Veränderungen der Besiedlung des europäischen Kontinents, dessen Gesicht zunehmend durch den Menschen geprägt wird.

 

Atlas der Vorgeschichte

  • ISBN-10:3-8062-2890-6
  • EAN:9783806228908
  • Erscheinungstermin:Februar 2014
  • Verlag: Konrad Theiss
  • Einband:gebunden
  • Auflage:3. erweiterte und korrigierte Auflage.
  • Seiten:248

 

 

 

 

 

Download PDF