Ein Klingenkern aus “hessischem Flint”

Radiolarit bzw. Lydit (traditionell auch Kieselschiefer genannt) ist ein Silexgestein, das einst aus den Kieselketten mariner Mikroorganismen (Radiolarien) entstanden ist und sich für die Herstellung von Steingeräten eignet.

Radiolarit bricht beim Anschlagen zwar scharf und muschelig, zerfällt jedoch meist kleinstückig, da sein sedimentärer Aufbau oft auch Ton, Karbonatanteile, Radiolarien-Skeletttrümmer und andere Komponenten einschließt.

Aufgrund dieser eingeschränkten Eignung waren es eher kleinere Werkzeuge, die im Paläolithikum hieraus hergestellt wurden.

Radiolarit wird hierzulande auch „hessischer Flint“ genannt, da Abschläge aus diesem Material fast die gleiche Schärfe besitzen wie solche aus Feuerstein und auch, weil Radiolarit als in Hessen anstehender Rohstoff (in Form von Plattentrümmerstücken oder als Geröll) insbesondere im Mittel- und Jungpaläolithikum häufig Verwendung fand.

AG-Mitglied Manfred Becker legt einen grob-walzenförmigen Klingenkern aus olivfarbenem Radiolarit vor, der insbesondere aufgrund seiner Größe und der deutlichen Präparationsspuren interessant ist. Er stammt von Fundlagen auf alten Lahnterrassen aus der Gegend um Gießen.

Die Zurichtung des Geräts ist ein schönes Dokument für die Technik eines volumetrischen Kernabbaus zur Gewinnung von Klingen, wie sie für das späte Mittelpaläolithikum bzw. beginnende Jungpaläolithikum typisch ist.

Da hierdurch am Kern selbst auch scharfe Kanten entstehen, ist eine nachträgliche Verwendung des Geräts als Werkzeug nicht auszuschließen.

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