Treffer gegen den Stumpfsinn aus unerwarteter Richtung

Eine sehr interessante Meldung kam jüngst aus dem Forschungsbereich der Universität Liverpool. Um herauszufinden, welche Hirnregionen beim Zurichten von Steinwerkzeugen in Anspruch genommen werden, wurde der Kopf erfahrener Steinschläger mit Sensoren gepflastert. Die Aufgabe war, einfache und „gute“ Faustkeile anzufertigen.

Das erstaunliche, nicht erwartete Ergebnis war die sehr umfangreiche Hirnaktivität, bei der auch die Region des Sprachzentrums und seine neuronales „Feuern“ extrem beteiligt waren. Daraus schlossen die Forscher, dass Faustkeilherstellung ohne „grammatische“ und begriffliche Sprache nicht möglich ist. Sie vermuten daher, dass Sprache seit der Zeit des frühesten Homo erectus vorhanden gewesen sein muss.

 

Diese Ansicht vertraten bisher nur wenige Kulturanthropologen und noch weniger physische Anthropologen. Nun zeigt sich, dass diese Minderheit das Denk- und Planungsvermögen unserer frühesten menschlichen Vorfahren anhand technologischer Steinartefaktanalysen richtig beurteilt hatten. Das mag manchen Vertreter der Stumpfsinnsanthropologie nun enttäuschen, aber man darf sicher sein, sie werden versuchen, das Ergebnis wegzudiskutieren. Die erhabene Einmaligkeit des Homo sapiens soll doch nicht vom eingebildeten Thron gedrängt werden! Na, dann.

Artikel über Faustkeile und Sprachvermögen:

http://www.plosone.org/article/info:doi/10.1371/journal.pone.0072693

 

Erste Faustkeile vor 1,8 Mio. Jahren

Zu der vorherigen Meldung passt auch die über ostafrikanische Stratigraphien in Ethopien (Konso) und in Nord-Kenya am Turkana-See (Kokoselei) durch P.J. Texier et al., wo Fauskeile in ausreichend gut datierbaren Schichten von rund 1,8 Mio. Jahren gefunden wurden.

Der ethiopische Forscher WoldeGabriel (Los Alamos National Laboratoy, New Mexico, USA) stellt außerdem eine formenkundliche Entwicklung der Faustkeile zwischen 1,75 und 0,85 Mio. Jahren von groben und summarischen zu symmetrischen und präzisen Typen fest. Auch diese typologische Klassifiezierungsmöglichkeit wurde bisher von vielen Forschern generell bezweifelt, weil sehr primitive Faustkeile gelegentlich in jungen Abschnitten und „schön“ gemachte vereinzelt schon ab 1,4 Mio. Jahren vorkommen können. Aber sie repräsentieren nicht den allgemeinen Trend der Entwicklung, sondern sind deren übliche Bei-Produkte.

An dieser Stelle müssen auch die von D.N. Stiles und T.C. Partridge Ende der 70er Jahre publizierten ovalen Protofaustkeile erwähnt werden, die in der Sterkfontein-Höhle aus Schichten ausgegraben wurden, die nahezu 2 Mio. Jahre alt sind. Diese Artefakte wurden aus massiven Abschlägen gemacht und sind fast rundum halbsteil retuschiert. Ihre Veröffentlichung im South African Journal of Science 75, 346-352 scheint schon in Vergessenheit geraten zu sein. So ist das in der postmodernen Zeit der Beliebigkeit nun mal.

WoldeGabriel, G et. al.: Artikel über die typologische Chronologie der Faustkeile in Ostafrika, besonders von der Fundregion Konso. 2014 in Proceedings of the National Academy of Sciences, internet informations:

http://phys.org/news/2013-03-ancient-stone-tools-pace-remarkable.html

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