Diabas-Artefakte im Gladenbacher Bergland

Vorgestellt von Horst Klingelhöfer

 

Die langjährige Absuche einer Hochfläche oberhalb des Salzbödetals in der Nähe von Bad Endbach (s. mein Beitrag in dieser Homepage vom 31.05.2013) führte zur Entdeckung von paläolithischen – mesolithischen Steinartefakten aus diversen lokal verfügbaren Rohmaterialien. Neben Kieselschiefer (Lydit), Tonschiefer und Roteisenstein wurde von den Jägern und Sammlern hauptsächlich der als Trümmerstreuung vorliegende Diabas (exakter: Metadolerit) als geeignet zur Artefaktherstellung herangezogen. Der oberflächliche Diabas weist eine bräunliche Verwitterungsrinde auf, frisch angeschlagen ist er schwarz bis schwarz-grünlich.

Diabase sind durch Metamorphose aus Basalten entstanden, gehören also zu der Gruppe der Metavulkanite oder metamorphen Gesteine. Im Gladenbacher Bergland als Teil des Rheinischen Schiefergebirges sind langgestreckte parallel ausgerichtete tiefreichende Diabas-Gänge (sog. Schuppen) insb. des Unterkarbon vorhanden, die in diversen Steinbrüchen ausgebeutet werden.

Basalt ist von feinkörnigerer Textur als Diabas. Wegen seines homogeneren Gefüges ist er seit der frühen Altsteinzeit für die Artefaktherstellung geschätzt worden (s. Beitrag von W. Bender in dieser homepage vom 22.12.2013). Diabas dagegen reduziert wegen der gröberen Körnigkeit und teilweise eingeschlossenen Mikrobläschen formschöne Bearbeitungsmöglichkeiten.

Bei diesem Rohmaterial ist von vornherein mit gröberen archaisch anmutenden Steinschlagergebnissen bei bevorzugt unifazieller Kantenbearbeitung zu rechnen. Eigene Schlagexperimente bestätigten diesbezüglich die Eignung des Rohmaterials, wenngleich zu berücksichtigen ist, dass die heutzutage an der Oberfläche aufgenommenen Diabas-Rohformen Verwitterungserscheinungen aufweisen und vermutlich schlechter bearbeitbar sind als zu den Zeiten unserer Paläolithiker.

 

Folgende Aspekte waren für eine Artefaktaufnahme zu berücksichtigen:

# Aufnahme der Naturformen und natürlichen Beschädigungen der Diabas-Trümmerstreuung,

# Signifikante Unterscheidung der Artefaktansprachen zu den Naturformen,

# Vergleichbarkeit mit sicheren Artefakten aus anderen Materialien (Formgestaltung, zielgerichtete Abschlagsnegative),

# Ausschluss von möglichen verschleppten „spätholozänen“ Artefakten von Wegebefestigungen und Steinbruchbetrieb.

 

Bei Anwendung dieser Filter konnten bis dato folgende Artefaktformen erkannt werden:

Faustkeilartige (Bifaces): 4

Trieder: 3

Bifazieller Pic: 1

Pics: 3

Abschläge: 11

Sonderformen: 2

GESAMT: 23

 

Während der Erhaltungszustand der Biface-Formen, des Biface-Pics, zweier unifazieller Pics und der Sonderformen mit einer starken braunen Verwitterungsschicht und einer Kantenrundung weitgehend einheitlich wirkt, ist die Verwitterung bei den Abschlägen bis auf eine Ausnahme geringer ausgeprägt. Ob hier eine unterschiedliche Zeitstellung oder Unterschiede des Rohmaterials eine Rolle spielen, muss noch untersucht werden.

 

Im Folgenden werden einzelne Diabas-Artefakte mit Fotos vorgestellt und beschrieben:

Grosser breitdreieckiger massiver Faustkeil (Wh2_87):

 

Das Artefakt ist möglicherweise aus einem massiven Abschlag gefertigt worden. Ausnahmsweise liegt hier speziell linkslateral eine beidseitige Kantenbearbeitung vor. Das Distalende ist alt beschädigt.

Trieder (Wh2_164):

Der kleinere ca. breitdreieckige Trieder weist auf der fast unbearbeiteten Dorsalfläche (nicht abgebildet) einen Mittelgrat auf. Die Ventralseite ist mit zentripetalen Abschlägen dagegen zugeformt worden.

Unifazieller Pic (Wh1_162):

Das aus einem flachen geröllartigen Rohstück gefertigte Gerät kann als Pic angesprochen werden, hatte aber durch die i. W. linkslateral rel. flache Kantenbearbeitung vermutlich eine schneidende Funktion.

Abschläge (Wh2-135/151):

Der linke Abschlag (135) mit seitl. Schlagpunkt rechts ist, wie angedeutet, beidkantig halbsteil bearbeitet und lief möglicherweise in eine ausgezogenen Spitze (alt zerbrochen) aus.  Er weist 2 größere Dorsalnegative auf.

Der rechte Breitabschlag (151) stammt von einem unidirektionalen Kern und könnte wegen des größeren linken schräg angesetzten Dorsalnegativs sogar als cleaverartig angesprochen werden. Dem stehen aber der bessere Erhaltungszustand und damit eine mögliche jüngere Einstufung entgegen.

 

Überlegungen zur Alterseinstufung

Die Zusammensetzung des (kleinen) Diabas-Ensembles mit bifaceartigen Formen, Triedern und Pics spricht eindeutig für einen älterpaläolithischen Zusammenhang. Die Ausgestaltung erinnert sogar an Altacheuléen- oder Abbevillien-Formen. Unter den Abschlägen findet sich kein Stück mit vorheriger fortschrittlicher Kernpräparation. Hierbei ist aber zu bedenken, dass die Ausgangsform des außerordentlich zähen Rohmaterials die Formgebung des geplanten Artefakts stark beeinflusst und intensive „Verschönerungsretuschen“ praktisch unmöglich macht. Hinzu kommen die seit der Herstellung aufgetretenen Verwitterungserscheinungen. Die Abschlagsproduktion ist nur auf opportunistische Weise mit harter Ambosstechnik oder bipolar möglich gewesen.

Die Hersteller der Diabas-Artefakte haben sich, wie weitere Funde gezeigt haben, auch an den anderen geeigneten Rohmaterialien Kieselschiefer (stark zerklüftet), Tonschiefer und Roteisenstein versucht. Dabei wurden Kieselschiefer und Roteisenstein insb. für die Kleingeräteproduktion herangezogen. Bei verschiedenen Einzelstücken sind auch typologische Differenzierungen in Mittelpaläolithikum, Jungpaläolithikum und Mesolithikum möglich.

Eine Herstellung von größeren Grobgeräten mit dem Rohmaterial Diabas und parallele Verwendung geeigneter Gesteinsarten für Schaber- und Bohrfunktionen spricht insgesamt für eine mittelpaläolithische Zeitstellung. Jedoch ist ein älterer Acheuléen-Einfluss ebenfalls nicht auszuschließen.

 

Literatur:

Lutz Fiedler: Alt-und mittelsteinzeitliche Funde in Hessen (Führer zur hessischen Vor- und Frühgeschichte 2 (1994))

Lutz Fiedler: Altsteinzeit von A bis Z, WBG 2011

Hessisches Landesamt für Bodenforschung Wiesbaden: Geologische Karte von Hessen GK25 Oberscheld (1997)

Hessisches Landesamt für Umwelt und Geologie: Rohstoffsicherungskonzept Hessen – Fachbericht Natursteine und Naturwerksteine (2006)

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