Dem Geheimnis der Dufour-Lamellen auf der Spur

Autor: Lutz Fiedler

 

 

Es gibt im frühen Jungpaläolithikum winzige Lamellen unter 2 cm Länge, deren eine Kante konkav retuschiert ist und damit diesen Artefakten das miniaturisierte Aussehen gebogener Kartoffelschälmesser-Klingen gibt, die uns aus unseren Küchenschubladen vertraut sind. Diese eingebuchteten Retuschen der Dufour-Lamellen sind prinzipiell ventral angebracht, meistens flach und unscheinbar. Die gegenüberliegende Schneide dieser Steingerätform kann retuschiert oder unbearbeitet sein.

Zum Schneiden, Schaben oder Bohren sind diese Winzlinge recht ungeeignet. Sie könnten aber auf Geschoss-Spitzen aus organischem Material als seitliche Schneiden oder Zähnung aufgeklebt worden sein. In diesem Fall kämen zwei Arten der Positionierung in Frage.

Bei der ersten Möglichkeit (1) würde die konkave Retusche nach Außen zeigen und die Lamelle wäre so festgeklebt, dass sie mit ihrem unteren Ende etwas vom Schaft des Pfeils/Speeres abstände. Damit ergäbe sich ein schneidender Widerhaken. Das wäre aber auch der Fall, wenn die Kantenretusche nicht konkav verliefe.

Diese spezielle Retusche könnte einem anderen und besonderen Zweck gedient haben, für den sie so positioniert war, dass sie dem Schaft zugewandt verklebt wurde (2). Die eingebuchtete Kante würde dann aber nicht exakt schaft-parallel sonder leicht diagonal dazu befestigt worden sein. Sie hätte damit den Waffen durch den Luftwiderstand einen Drall beim Flug und eine schraubende Wirkung beim Eindringen in die Jagdbeute verliehen.

Ohne diese Annahme beweisen zu können favorisiere ich sie, weil auch die oftmals in sich leicht tordierte, also verwundene Längserstreckung dieser Lamellen dafür spricht. Dass die leichte Torsion nicht zufällig, sondern beabsichtigt entstanden ist, kann man nämlich bei der Untersuchung der kielkratzerartigen Kerne sehen, von denen die Lamellen abgespalten wurden. Die Abbaunegative verlaufen dort häufig wegen der halbkonischen Form der Abbaufront auch leicht tordiert.

Wenn diese Analyse richtig sein sollte, dann hätte die Idee der Schraube ihren Ursprung schon im Paläolithikum.

Anmerkung: Einen, vor gut 10 Jahren entstandenen Bericht mit gleicher Interpretation der Dufour-Lamellen hatte der Autor schon in die erste, von G. Schulz geführte Homepage für die AG gesetzt. Damals fehlte eine Bebilderung. Vielleicht deshalb ist diese Meldung untergegangen und wird hier in neuer Form angeboten.

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